Deutsche Damen- und Herrenmannschaft auf dem 3. Platz bei der EM
geschrieben von Dr. Sigrun Caspary am 28.05.2022 in Kategorie News

Die Nationalmannschaft der Herren hat am 28.5.2022 auf der Europameisterschaft in Frankfurt den 3. Platz erreicht und musste sich nur dem anschließenden Sieger Frankreich geschlagen geben! Eine tolle Leistung, Glückwunsch an die NRW-Kenshi! Wir gratulieren sehr herzlich!!!

Auch die Deutsche Damen-Mannschaft hat am 27.05.2022 den 3. Platz belegt, auch hier herzliche Glückwünsche!!!

Sowie an Finn für den 3. Platz im Jugend-Einzel am 28.05.2022


NRW-Kenshi - wir halten die Daumen
geschrieben von Dr. Sigrun Caspary am 25.05.2022 in Kategorie News

Ab dem 26. Mai versammelt sich die Kendo-Welt Europas in Frankfurt. Vom 27.-29. Mai werden dort drei Tage lang die Europameisterschaften 2022 ausgetragen: Einzel und Team in den drei Sparten Jugend, Damen und Herren. 

Aus Nordrhein-Westfalen sind so viele Kenshi in der Deutschen Nationalmannschaft, wie noch nie! Bei den Herren sind es gleich vier Kenshi aus Köln, bei der Jugend einer aus Düsseldorf und einer aus Witten.

Für die Jugend:

Ryusei Aoki

Hans Caspary

Für die Herren:

Maximilian Ernst

Malte Heinrichs

Liam Lesch

Moritz Remmel

Ihr habt alle hart trainiert und seid hoch motiviert! Euch eine tolle Zeit, spannende Kämpfe und viele neue Freundschaften! Wir halten euch allen und der gesamten Deutschen Nationalmannschaft alle Daumen und wünschen alles erdenklich Gute!

Wer life dabei sein möchte, bekommt Karten an der Tageskasse. Allen anderen winkt der Live-Stream, und alle Infos gibt es unter https://ekc2022.de/de/

Informationen zu der Nationalmannsschaft und der Vorberitung auf die EM2022 findet ihr unter https://dkenb.de/das-letzte-training-vor-der-ekc-2022/

Im Namen des NWKV und aller NRW-Kenshi

Euer Vorstand


Hervorragende Platzierungen für NRW auf DEM in Frankfurt
geschrieben von Dr. Sigrun Caspary am 10.05.2022 in Kategorie News

Am Samstag, den 19. März, fanden die Deutschen Einzelmeisterschaften der Männer und Frauen in Frankfurt statt.

Die Kämpfer:innen aus NRW haben wieder sehr gute Leistungen gezeigt und konnten sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern hervorragende Platzierungen erkämpfen.

Platzierte Frauen:

3. Platz – Sonja Huelsebus, NRW
Kampfgeist – Alina Schiller, NRW

Platzierte Männer:

2. Platz – Moritz Remmel, NRW
3. Platz – Liam Lesch, NRW

Wir gratulieren den Gewinner:innen ganz herzlich.

Hier ein Link zu den gesamten Ergebnissen:
https://dkenb.de/ergebnisse-der-deutschen-einzelmeisterschaft-2022/


Sechs Kämpfer aus NRW auf der EKC2022 in Frankfurt Ende Mai
geschrieben von Dr. Sigrun Caspary am 10.05.2022 in Kategorie News

Die Teilnehmer der EKC2022 stehen fest

Im Anschluss an die Deutschen Einzelmeisterschaften wurden auch die Kämpfer für die Kendo-Europameisterschaft 2022bekannt gegeben, die Ende Mai in Frankfurt stattfindet. NRW stellt 4 Kämpfer bei den Herren und 2 Kämpfer bei den Jugendlichen.

Männerteam und -Einzel

Ernst, Maximilian
Heinrichs, Malte Claus Theodor
Lesch, Liam
Remmel, Moritz

Juniorenteam- und Einzel

Aoki, Ryusei
Caspary, Hans

Gratulation an die Kämpfer aus NRW, die Deutschland auf der EKC 2022 in Frankfurt vertreten werden! Wir wünschen Euch ganz viel Erfolg und Spaß.

Mehr Informationen zur Deutschen Kendo-Nationalmannschaft gibt es auf der Internetseite des Deutschen Kendobunds e.V. (DKenB):

https://dkenb.de/das-nationalteam-auf-der-ekc-2022/


40 Jahre NWKV - Dietmar Böcker
geschrieben von Thomas Lieb am 23.12.2021 in Kategorie News

Interview mit Dietmar Böcker, Kendo 5. Dan

Interview: Momo Giesen, Foto: © by Björn Uffermann

 

M: Seit wie vielen Jahren machst du Kendo?
D: Ich habe 1990 angefangen. Das war im Dortmunder Budo Sport Verein, also im BSV Dortmund. Der BSV Dortmund war auch ein Gründungsmitglied des NWKV.

M: Wie kamst du zum Kendo?
D: Ich habe in den 80er Jahren Kendo im Fernsehen gesehen, daran erinnere ich mich noch sehr gut. Dann habe ich mich informiert, wo man die Sportart machen kann. Damals habe ich nur Wuppertal und Düsseldorf gefunden und das war mir zu weit. Und einige Zeit später - durch puren Zufall! – bin ich an einem Sportstudio in Dortmund vorbeigefahren und habe gesehen, dass man dort Kendo trainieren kann. Dann habe ich an einem Probetraining teilgenommen und dabei erfahren, dass es auch in Dortmund eine Kendogruppe gibt. Das war 1990. Damals gab es nur eine halbe Turnhalle für Kendo, leider! Ich weiß noch, ich habe Wochen nur Men-Schläge und Fußarbeit geübt- und das allein. Ich weiß auch noch, dass ich damals fast ein Jahr lang warten musste, bis ich in die Rüstung konnte.

„[…] jeder hat eine andere Philosophie, jeder hat andere Stärken. Wichtig ist es für mich, von allen Lehrern etwas mitnehmen zu können."

M: Jetzt wo du es sagst, wie groß war denn die Kendo-Community in den ersten Jahren, in denen Du angefangen hast? Wo hat man sich getroffen?
D: Im Dortmunder Verein waren zu der Zeit, in der ich angefangen habe, zehn Leute. Ich weiß, dass es in Bochum eine Sportschule gab, in Köln und natürlich in Düsseldorf. Düsseldorf war damals das Zentrum für Kendo. In den ersten Jahren habe ich es immer ‚Kendo-Pendeln‘ genannt, ich bin immer viel hin und her gefahren, damit ich viel mitnehmen konnte. Ich bin also von Kendo-Verein zu Kendo-Verein ‚gependelt‘. Denn jeder hat eine andere Philosophie, jeder hat andere Stärken. Wichtig ist es für mich, von allen Lehren etwas mitnehmen zu können.

M: Du sag mal, in Zeiten ohne Internet‘… wie hat man da eigentlich Kendo-Sachen bestellt?
D: Mein erster Trainer, Rolf Thum, hat dann immer einen Katalog für Kendo mitgebracht und wir haben eine Sammelbestellung nach Japan gemacht. Ich habe damals rund drei Monate auf einzelne Rüstungsteile warten müssen.


„[…] den eigenen Weg zu finden, das Individuelle - das gilt genauso wie im Leben auch beim Kendo.“

M: Hattest du ein Vorbild oder jemanden, dem Du viel zu verdanken hast?
D: Mir war immer wichtig, von allen Lehrern etwas mitnehmen zu können, jeder hat seine eigene, ganz individuelle Philosophie. Und jeder Mensch hat andere Stärken und Schwächen. Ich kann sagen, dass es drei Menschen gibt, die mir bei meinem Kendo sehr geholfen haben. Rolf Thum, er war auch einer von denen, die das NRW Kendo gegründet hat. Detlef Viebranz, ihm habe ich durch jahrelangen Kontakt und Austausch viel zu verdanken, er hat mir sehr viel gezeigt. Sato Nariaki, wir haben uns häufig gesehen. Ich habe viele Hinweise und Lehren bekommen, wir kennen uns schon seit vielen Jahren.

„Ich finde es schön, dass durch Kendo so viele Nationen zusammenkommen und gemeinsam und miteinander trainieren. Man findet viele Gemeinsamkeiten und sieht, dass alles gleich ist.“

M: Was war denn ein Kendo-Moment, an den Du Dich besonders gut erinnern kannst?
D: Puh, das sind einige. Ich habe 2007 zum Beispiel mal eine Woche lang in Kitamoto trainieren können, ich habe dort sehr wichtige und interessante Erfahrungen sammeln können. Sato Nariaki war damals Haupttrainer und hat mir viel geholfen. Er hat mich in Kitamoto sogar auf Deutsch begrüßt. Er war mein Ansprechpartner damals vor Ort und auch noch heute für jegliche Tipps und ähnliches. Seine Tochter Sato Masajo war auch ein Jahr bei Sigrun Caspary an der Universität. Wir haben neben Kendo viel unternommen, sind zum Beispiel zum Fußball gegangen. Man hat sich angefreundet, auch über Kendo hinaus hält man den persönlichen Kontakt. Das finde ich an der Kendo-Community auch so positiv. Ich finde es schön, dass durch Kendo so viele Nationen zusammenkommen und gemeinsam und miteinander trainieren. Man findet viele Gemeinsamkeiten und sieht, dass alles gleich ist. Ich war auch mit Thorsten Mesenholl in Japan, uns wurde viel erklärt und gezeigt. Wir trafen Sato Nariaki dort und sind mit ihm zum Frühtrainig in Kyoto gewesen. Mit Freunden sind wir auch noch das eine und andere mal zum Training gegangen.

M: Hast du vielleicht auch einen Moment, der Dich nachhaltig beeindruckt hat?
D: Wir hatten einmal eine Japanerin im Verein in Dortmund. Sie hat seit etwa 25 Jahren kein Kendo Training mehr gemacht. Sie war vielleicht fünf – sechs Mal da und hat danach einfach auf dem gleichen Niveau trainiert, wie sie es vor ihrer Pause gemacht hat. Das fand ich sehr beeindruckend. Sie sagte, es sei wie Fahrrad fahren - das verlernt man einfach nicht.

M: Hattest Du schon mal eine "Kendo-Krise" und vielleicht pausieren müssen durch eine Verletzung?
D: Nun, momentan durch Corona habe ich eine lange Pause machen müssen. Ich hatte aber auch schon ein paar Verletzungen, durch die ich pausieren musste, aber ich habe nie aufgehört. Einmal musste ich drei Monate pausieren, weil ich einen Meniskusriss hatte. Ich hatte auch mehrmals starke Schmerzen in meiner Achillessehne.

"Man sollte auf jeden Fall nicht den Spaß verlieren, denn dadurch verliert man auch an Leistung, man wird nicht besser, man kann nicht besser werden. Es soll Spaß machen, damit man auch gerne zum Training geht."

M: Was hat Dir dabei geholfen weiterzumachen?
D: Kendo hat mir immer Spaß gemacht. Es ist für mich nicht nur ein Sport. Es verbindet für mich Körper, Geist und Seele, wenn man gut trainiert hat. Wichtig ist es auch, einfach immerweiterzumachen und sein eigenes, individuelles Kendo zu finden. Wie beispielsweise bei den Men-Schlägen, gleichzeitig Schlagschärfe zu haben, aber auch die Lockerheit nicht zu verlieren. Es hilft auch nach links und rechts zu schauen, was machen Andere, was kann man selbst umsetzen - auch wenn es nicht immer klappt und man nicht alles umsetzen kann! Man sollte auf jeden Fall nicht den Spaß verlieren, denn dadurch verliert man auch an Leistung, man wird nicht besser, man kann nicht besser werden. Es soll Spaß machen, damit man auch gerne zum Training geht. Jeder sollte für sich schauen, was für einen wichtig ist und sich vielleicht auch das ein oder andere bei einem Kendoka abgucken.

„Kendo ist nicht nur Sport für mich, es ist auch ein Ausgleich für Körper und Geist. Kendo mit Intensität zu trainieren, […] das ist für mich sehr essenziell. Kendo ist für mich wie eine Lebensphilosophie. Kendo kann man mit nach Hause nehmen und in den Alltag übertragen.“

M: Was möchtest du Kendoka mit auf den Weg geben? Hast du vielleicht Tipps?
D: Meiner Meinung nach muss jede:r den eigenen Kendo–Weg finden. Man sollte nichts gezwungen machen, und wie gesagt, nicht den Spaß verlieren. Kendo ist nicht nur Sport für mich, es ist auch ein Ausgleich für Körper und Geist. Kendo mit Intensität zu trainieren, 'voll dabei zu sein' - das ist für mich sehr essenziell. Kendo ist für mich wie eine Lebensphilosophie. Kendo kann man mit nach Hause nehmen und in den Alltag übertragen.

M: Wie trainierst du so? Wie sieht dein Training momentan aus?
D: Ich sehe momentan leider zu wenig Möglichkeiten, als Trainer selbst mitzutrainieren. Man muss sich auch auf die Gruppe einstellen. Entweder man trainiert mit oder man erklärt. Man kann bei den Techniken und beim Zugucken natürlich viel lernen. Manchmal kann man auch mit Rüstung mittrainieren, oder man stellt sich an die Seite, um andere zu coachen.

M: Wie gestaltest du dein eigenes, persönliches Training? Nimmst du dir einzelne Sachen vor?
D: Lehrgänge sind für mich sehr wichtig, um sich weiter entwickeln zu können. Auf der einen Seite als Trainer oder auf der anderen Seite als Trainierende:r. Manchmal muss man sich aber auch die Möglichkeit schaffen, sich mal nur auf sich und sein eigenes Training konzentrieren zu können. Ich nehme mir einzelne Sachen vor, um genauer, konzentrierter trainieren zu können und das dann zu üben und umsetzen zu können. Nach dem Training lasse ich dann alles noch einmal Revue passieren und reflektiere es. Ich suche mir vor dem Training eine Sache raus, gehe danach dann in mich und überlege mir, wie es für mich lief und gehe zum Trainer und frage nach, was ich gegebenenfalls verändern kann, was noch nicht perfekt lief und hole mir natürlich auch Tipps ab. Man muss nicht immer alles perfekt machen, das meiste funktioniert auf Anhieb nicht sofort, aber die Regelmäßigkeit und den Spaß am Training nicht zu verlieren bringen weiter! Man sollte mit Spaß dabei sein und nicht immer zu ernst sein.

M: Danke für das ausführliche Interview!
D: Gerne


40 Jahre NWKV - Thorsten Mesenholl
geschrieben von Thomas Lieb am 25.11.2021 in Kategorie News

Interview mit Thorsten Mesenholl, Kendo 6. Dan

Interview: Ulrike Oppel, Foto: © by Björn Uffermann

 

Heute treffe ich Thorsten Mesenholl, der seinerseits über 20 Jahre die Geschicke als Kassenwart, als 2. Vorsitzender und von 2003 bis zum vergangenen Jahr als 1. Vorsitzender lenkte und den NWKV – sowie wir ihn heute kennen – mitformte. Thorsten kam 1989 zum Kendo, indem er seinen Schwager zum ersten Training beim PSV Wuppertal begleitete. Seitdem trainierte er zielstrebig, besuchte regelmäßig mehrmals die Woche das Training in den Dojos von Köln, Wuppertal, Witten und Düsseldorf. Er nahm an vielen Lehrgängen und Turnieren teil.

"Ich war etwa über 35-mal auf dem Treppchen."

Heute ist Thorsten 6. Dan im Kendo wobei er seit dem 4. Dan alle Prüfungen mit Nito bestanden hat und Trainer in seinem Heimat Dojo in Wuppertal ist. Vielen Kendoka ist Thorsten v.a. durch seinen Kampfstil mit zwei Schwertern – dem Nito – bekannt. Denn entgegen den meisten von uns, hat er sich gegen den Kampfstil mit einem Schwert – dem Ito – als seinen eigenen Stil entschieden.

"Nur das Kennenlernen verschiedenster Sensei und Trainer, ihrer Lehrstile sowie das über das körperliche Training hinausgehende Philosophieren führt dich auf den Weg zum eigenen Kendo"

U: Hat dich dieser Leitsatz auf den Weg des Nito geführt?

T: Nito hat mich schon seit meinen Anfängen im Kendo begeistert. Den meisten Kendoka ist Nito im Zusammenhang mit den Überlieferungen der historische Figur des umherwandernden Kriegers Miyamoto Musashi und dessen Schwertkampfschule des Niten-Ichiryu („Zwei-Himmel-ein(-Stil)-Schule“) aus dem 16./17. Jh. ein Begriff. Mich haben die Komplexität und die nonkonforme Art des Nitos, des Kampfes mit zwei Schwertern, fasziniert. So habe ich nicht nur alle mir zugängigen Videoaufnahmen von Nito-Kämpfern weltweit angesehen und studiert, sondern auch jeden Sensei, jeden Trainer und Senpai auf Nito angesprochen – so auch Yukio-Sensei als einen der Ersten.

Mir wurde immer bewusster, dass es schwierig sein wird, den Weg des Nito zu gehen, da die unser heutiges Kendo formenden Regularien in sportlicher Hinsicht und in Bezug auf die Beurteilung des Status quo eines Kendokas durch Kampfrichter und Danprüfer Schwierigkeiten mit der Einordnung dieses Kampfstils haben und sich bis heute nur sehr wenige Kendoka weltweit für Nito gegenüber Ito entschieden haben.

"Nito hat mich noch einmal neu über Kendo nachdenken lassen."

U: Kendo ist aus Japan zu uns nach Deutschland gekommen. Du erwähntest, dass du an vielen Lehrgängen – europaweit – teilgenommen hast. Dir ist daher die Didaktik eines Lehrgangs vertraut. Für den NWKV bist du jetzt selbst als Lehrgangsleiter unterwegs. Gibt es einen Punkt, den du bei der Vorbereitung der Vermittlung deiner Lehrgangsinhalte besondere Beachtung schenkst?

T: Die Grundlagen, die die Teilnehmer hier aus NRW mitbringen sind mit denen in Japan nicht zu vergleichen. Die wenigsten fangen im Kindesalter oder als Jugendliche mit Kendo an. So lernen wir ganz anders und nicht mehr nur allein durch Beobachtung und Nachahmung. Die Japaner lehren und lernen Kendo vor allem dadurch. Sie schaffen die Grundlagen im Kindesalter durch unzähliges Wiederholen.

"Wir lernen anders als Japaner."

Ich meinerseits habe für mich erkannt, dass ich allein mit dieser Didaktik in meinen Lehrgängen und Trainingseinheiten nicht die von mir
erwünschten Lernerfolge erziele. Mein Ziel ist es, den Einzelnen auf seinem Weg zu begleiten. Ich möchte ihm die Kendo-spezifischen Schnitte und Techniken näherbringen, er soll verstehen lernen, warum es sie gibt, was sich dahinter verbirgt. Mein Lehransatz ist deshalb ein im Diskurs erklärender.

U: Mit deinem 6. Dan hast du, den der traditionell japanischen Sicht folgend, ersten Meister/Lehrergrad (Sensei) erreicht. Welche Rezeption erfährst du?

T: Ich in meiner Person bin nicht der einzige aus NRW, Deutschland bzw. Europa, der sich entschieden hat, nicht nur den Weg des Kendos als Übender zu gehen, sondern auch den Weg als Lehrender zu beschreiten, den Kendo so fasziniert, dass er diese Faszination nicht nur teilen, sondern auch weitergeben möchte.

"Wir sind die erste Generation eines neuen Sensei-Bildes außerhalb Japans."

Ich wünsche mir, dass allen die außerhalb Japans den Weg eines Senseis beschreiten, die gleiche Wertschätzung und das Gleiche Reiho entgegengebracht wird, wie wir es jedem japanischen Sensei angedeihen lassen.

U: Aus deinen Erfahrungen deiner 30-jährigen Zeit als Kendoka des NWKV’s und insbesondere der Einblick in die Administration während deiner Jahre – Jahrzehnte – als Funktionär. Welches Resümee kannst du ziehen?

T: Von meinen Anfängen bis heute gesehen, kann ich nur sagen, dass die Gemeinschaft der Kendoka im NWKV immer gleich groß war. In Zahlen ausgedrückt, lag sie immer in einer Größenordnung zwischen 700 und 900 gemeldeten Kendoka, die verteilt auf die Vereine dem Hobby Kendo nachgingen bzw. nachgehen.

U: Auf die nächsten 40 Jahre gesehen, welche Aufgaben und Verantwortungen siehst du mit der Arbeit des NWKV und seiner Vereine verbunden?

T: Deutschland hat eine lange Vereinskultur. Die Vereine selbst leben von dem Engagement ihrer Mitglieder, egal welchen Alters, Geschlechts oder als aktives bzw. passives Mitglied. Kendo ist für uns alle ein Hobby, eine Freizeitgestaltung. Die Kendoka der ersten Stunde sind jetzt 40 Jahre älter, ihre aktive Zeit als Sportler liegt vielleicht schon hinter ihnen bzw. ist eingeschränkt. Doch hier trifft meiner Meinung nach ein Gedankengut des Kendos positiv mit der deutschen Vereinskultur zusammen: beide fördern eine Partizipation über die aktive Teilnahme hinaus.

"Generationenübergreifendes Engagement in der Vereins- und Verbandsarbeit."

Ich wünsche mir auf Vereinsebene, dass sich möglichst viele in den einzelnen Sparten – wie Turniere, Prüfungen und Übungsleiterausbildung – auch über ihre aktive Zeit hinaus engagieren, die jüngeren aktiv unterstützen und ihnen so Erfahrungen ermöglichen. Viele Veranstaltungen sind meistens aus Mangel an erfahrenen und den Einsatz stets neuer unerfahrener Helfer – bspw. bei Tischbesatzungen in Turnieren nicht fließend in ihrem Ablauf. Dieser Zustand wiederholt sich stets aufs Neue, da die das letztes Mal eingesetzten Anfänger jetzt als Teilnehmer auftreten.

Die größten Aufgaben des NWKV sehe ich weiterhin in den verwaltenden Aufgaben. Kendo ist in Deutschland eine Randsportart. Dennoch wollen wir gleichwohl unsere Anerkennung, z.B. durch Austragung von Meisterschaften, von den anderen Verbänden in NRW und Deutschland, haben, d.h. die Professionalisierung der Verbandsarbeit bei der Organisation von Veranstaltungen wie Lehrgängen, Meisterschaften und Prüfungen muss weiter aus dem Laienbereich in den Amateurbereich hinein vorangetrieben werden.

Mein Wunsch ist, dass gemeinsames Engagement unser Kendo in NRW nicht nur in sportlicher Hinsicht, sondern auch in Umgang und Respekt, in der Freundschaft zu- und untereinander die nächsten 40 Jahre zusammenhält und voranbringt.


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